Schrankgemüse

Vor fasst genau 11 Monaten gab es hier das erste Mal das Frischgezapfte. 🙂 Damals habe ich noch nicht geahnt, dass ich diese Abpumpgeschichte solange durchhalte. Vier Monate haben wir am Stillen an sich gearbeitet. Vier Stillberaterinnen aufgesucht, x Bücher gelesen und viel Recherche betrieben. Bis Anfang Oktober bei mir die „Klappe“ fiel und ich mich damit abgefunden, dass es nicht sein soll. Wenn mein Sohn schon nicht gestillt wird, dann gibts hier eben Muttermilch „in Dosen“ solange er will. Milch ist da und wieso nicht nutzen, was das Beste für ihn ist?

Auch heute noch bekommt der Baron sein Lieblingsgetränk, die Muttermilch. Es gab Höhen und Tiefen, Erschöpfungsphasen, Aufgabegedanken und viele Ängste. In meiner Zielstrebigkeit habe ich (zum Glück) immer wieder zurück zu meinem Eingangsgedanken, welchen ich schon während der Schwangerschaft gefasst hatte, nämlich solange wie möglich zu stillen, gefunden. Nachdem ich meinen Sohn die ersten Monate entwickeln gesehen habe, dachte ich nicht, dass er sich solange mit „nur“ Muttermilch zufrieden gibt. Hat er aber und zwar bis in den 9ten Monat mit NUR Muttermilch. Kerngesund und bis dato 11kg.

Heute gibt es AUCH feste Nahrung. Aber für ihn ist die Muttermilch noch immer ein Hauptnahrungsmittel und noch nicht vom Speiseplan wegzudenken.

Vor einigen Wochen (also sehr spät) habe auch ich meinen Frieden damit gefunden, dass der Baron noch einige Monate weiter sein Lieblingsgetränk bekommen möchte. Sicher ist es immer noch anstrengend, jeden Tag ca. 1 Liter Milch zu produzieren, sie Tag und Nacht abzuzapfen, die zeitlichen Einschränkungen in Kauf zu nehmen und mit den körperlichen und mentalen Defiziten zu leben. Aber für mich ist es ok.

Ich halte mein Versprechen!!!

Dies gehört meiner Meinung nach zum Ur-Vertrauen zwischen Eltern und Kind.

Somit lerne ich jeden Tag aufs Neue:

  • mit mir selber gut umzugehen,
  • mir Ruhe, Entspannung und Schlaf zu gönnen,
  • nichts zu überstürzen,
  • vermehrt Fünfe grade sein zu lassen,
  • Termine zu canceln oder gar nicht erst zu machen,
  • mich selber nicht so ernst nehmen,
  • Zeit für mich finden,
  • Auszeiten einfordern;

Das sind nur einige, von mir erlernte Maßnahmen zur Reduzierung von Stress und Erschöpfungszuständen. Im Grunde nichts anderes, als ich hochdotierten Managern empfehle. Und nichts anderes sind Mamis, die während des Stillens noch den Haushalt regeln, organisieren, erziehen, planen, koordinieren, delegieren, trainieren, coachen, präsentieren und sich dabei nicht selbst verlieren.

Das ständige „Online“-sein, die nächtlichen Wachphasen und der Verlust von 1 Liter Milch am Tag zollt, trotz „Wellness“-Maßnahmen, natürlich seinen Tribut an mir. Manche sind lustig, manche dramatisch. Ein kleiner Auszug gefällig? 🙂

  • Ich koche regelmäßig für 2-3 Tage Gemüse für den Baron ab. Dies kommt dann in eine Box in den Kühlschrank. Vor einiger Zeit hab ich eine Box im Geschirrschrank gefunden, voll mit abgekochtem Gemüse. *an den Kopf fass*
  • Der Ehemann kommt nach Hause, fragt ob wir weg wollen, da die Tür vom Auto aufsteht. Ich schaute ihn mit einem großen Fragezeichen an. Das letzte Mal als ich Auto gefahren bin, war zu dem Zeitpunkt 2 Tage her. Solange stand das Auto mit offener Tür auf dem Hof. *kopfklatsch*
  • Zwei Flaschen für den Baron stehen nebeneinander. Eine mit Muttermilch, eine mit Wasser. Das Wasser soll erneuert werden und ich nehme eine Flasche mit, kippe sie großzügig im Waschbecken aus und sehe, dass ich soeben eine ganze Flasche Muttermilch weggekippt habe. Dies war einer von den dramatischen Fehltritten.
  • Anekdote einer anderen Still-Mami: Vorbereitung Familienausflug. An Vieles muss gedacht werden, besonders an die Sachen für das Kind. Mama muss schon die ganze Zeit dringend auf die Toilette. Dies und das noch schnell erledigen und dann endlich auf die Toilette. In dem Moment fiel ihr ein, dass sie gerade eben erst auf der Toilette war. (könnte ich gewesen sein)
  • Ich möchte Geld aus dem Automaten holen. Tippe meine Daten ein und drücke die Wert-Taste. Anstatt den zwei-stelligen Betrag anzutippen, drücke ich daneben und es kommt ein sehr hoher drei-steliger Betrag aus dem Automaten. *hallloooo*. (keine Angst, dieser Betrag befindet sich nicht mehr in meinem Geldbeutel. Überfall zwecklos) 🙂
  • Wortschatzeinschränkungen! Häufiger Gebrauch von „Dings“, „ähm“ und anderen Ersatzwörtern. Meine Favoriten sind „Gnupschi“ und „Knautschi“. 🙂
  • etc.

Ich freue mich auf weitere, lustige Erschöpfungsaktionen. 🙂

Die Zeit des Stillens ist einfach viel zu kurz in Relation zum Leben des Kindes, welches wir großziehen. Deswegen kommt es für mich auf ein paar (mehr) Monate nicht an. Zumal ich jetzt schon nicht daran denken möchte, eines Tages nicht mehr das Frischgezapfte liefern zu können. Aber den Gedanken verwerfe ich ganz schnell und rufe laut:

O`zapft is! 🙂

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