Die letzten Tage hatten wir Besuch von einer Freundin, die zusammen mit ihrer 5 Monate alten Tochter eine 6 Stunden Fahrt zu uns machte. Sehr tapfer, sage ich. Mit dem Baron versuche ich noch in einem 30 Minuten Umkreis zu bleiben, sonst fängt er an nervös zu werden. Wenn er ein Cowboy wäre, dann hätte er eine verdammt kleine Ranch. 😉 Während meine Freundin und ich viel zu quatschen hatten, lernten sich der Baron und die kleine Nina kennen.
Spontan beschlossen wir dann am letzten Tag vor ihrer Abreise an die Ostsee zu fahren, um dort einen Spaziergang zu machen. Die Sonne schien, es war ein glassklarer, blauer Himmel. Die beste Gelegenheit um so einen Ausflug zu machen. Wir packten Kind und Kegel ein und nahmen uns vor, beide in Tragetuch und Babyrucksack zu nehmen. Kurze Zeit später waren wir am Meer. Für Nina und ihrer Mama war es das erste Mal an der Ostsee, und auch der Baron hatte noch nicht das Vergnügen, das Meer zu begutachten. Der Baron also frohen Mutes in den Babyrucksack verfrachtet und schon konnte es losgehen.
Es wehte ein eisiger Wind. Wir dachten schon zu Hause, dass es recht windig und sicherlich auch kalt sein wird, aber das übertraf unsere Vorstellungen. Der Wind zog in jede Ecke der Kleidung und es wurde schon sehr schnell ungemütlich. Nachdem der Baron startklar war, sagte Ninas Mama noch schnell, dass Nina Hunger hätte und das noch schnell im Auto erledigen würde. Derweil gingen der Baron und ich schon einmal das Gebiet rings um das Auto abstecken. Ohne Bewegung hätten wir es draussen nicht lange ausgehalten. Die Sonne schien zwar ins Gesicht aber wärmetechnisch war davon nichts zu merken. Nachdem Nina satt war bemerkte ihre Mama einen großen „Knall“ in der Windel. Das junge Fräulein musste nun noch schnell frisch gewickelt werden bevor es endlich losging. Der Baron und ich erweiterten unsere Runde noch einmal. Erstaunlicherweise war der Baron sehr entspannt und schaute sich besonnen die Gegend an. Es vergingen sicherlich noch einmal 10 Minuten, da das junge Fräulein die Tagesration in die Windel gemacht hatte und das ganze Prozedere „Wickeln“ im Auto die Sache auch nicht erleichterte. Während Ninas Mama im Auto zu schwitzen anfing, froren der Baron und ich draussen.
Endlich war es soweit, wir standen alle bereit und machten uns auf den Weg Richtung Strandweg. Das Meer war zu sehen. Auch wenn es für mich ein gewohnter Anblick ist, ist der Strand mit weißem Schnee bedeckt schon noch einmal etwas Anderes. Ungewohnt und doch lustig anzusehen. Um uns herum nicht wenig Menschen, die auch einen Spaziergang am Meer machten. Der erste Hügel zum Meer war erzwungen und der Baron fing an ganz leise merkwürdige Laute von sich zu geben. Mit jedem Schritt den wir weitergingen, wurde er lauter und ungeduldiger. Tat ihm was weh? War er eingeklemmt? Irgendetwas anderes? Ich konnte es nicht definieren und wurde selbst nervös. So kenne ich ihn gar nicht.
So spontan wir entschlossen hatten, ans Meer zu fahren, saßen wir wieder im Auto und fuhren zurück. Der Baron in der Babyschale fasst glücklich, im Gegensatz zu der Situation am Strand. Kein Meckern, kein Muckeln, kein Schreien mehr. Alles war wieder gut.
Wir fuhren noch einige Kilometer an der Strandpromenade entlang, damit die Weitangereisten wenigstens etwas zu sehen bekamen. Auf der einen Seite waren wir etwas enttäuscht, dass wir den ganzen Aufwand und die Fahrt betrieben hatten, für nur 2 Minuten Meer. Auf der anderen Seite waren wir wieder froh im warmen Auto und später vor dem Kamin mit Tee und Kuchen zu sitzen.
Wer weiss, wovor uns der Baron gewarnt hat. Eine Riesenwelle? Ein Ostsee-Virus? Ein versuchter Einbruch ins Auto? Wir grübeln bis heute!




