Mitte Dezember ging ich in Eiseskälte mit dem Auserwählten im Kinderwagen und dem Baron auf dem Kiddyboard in unserer Ortschaft spazieren. Da ich die Keksebox für einen Zwischensnack Zuhause vergaß, gab es zwei kleine Laugenbrötchen vom ansässigen Hofladen.
Das erste Brötchen wurde vom Baron auf dem Weg nach Hause schnell „inhaliert“. Das Zweite wurde nur häppchenweise verspiesen.
An einer Kreuzung gingen wir an der Ampel über die Strasse. Der Baron nahm sich in diesem Moment das letzte Stück Brot aus der Tüte und mit einem starken Windzug flog die leere Tüte weg, auf die Strasse. Der Baron wollte schon abspringen und sie holen. Da wir mitten auf der Strasse gingen, war ein Zurück nicht möglich. Die Ampel sprang auf rot und wir waren auf der anderen Seite. Der Baron immer noch Zurückschauend. Traurig sagte er „Tüte weg! Tüte weg!“. Immer wieder. Diese flog weiter über die Strasse, über die Kreuzung.
Ich versuchte mir eine Geschichte einfallen zu lassen, damit der Baron nicht ganz so traurig war. Die Tüte ist, als sie leer war, eben wieder zurück zum Hof geflogen. Dort wird sie dann wieder gebraucht, ganz sicher!
Eine Notlüge, gestehe ich!
Aber wenn ich mein Kind mit wässrigen Augen und zitternder Stimme sehe, kann ich ihm nicht die knallharte Wahrheit ins Gesicht sagen. Auch wenn es nur eine Brötchentüte ist. Schon damals war es schwer, dem kleinen Baron auf sensible Art und Weise mitzuteilen, dass seine Mütze nicht wieder kommt. Noch heute, fasst ein halbes Jahr später, hält er seine Kopfbedeckung ganz fest, wenn ein Windstoß kommt und mit trauriger Stimme noch einmal „Mütze weg!“ sagt.
Auch die Tüte ist noch nicht in Vergessenheit geraten. Wenn wir die Kreuzung passieren, ob zu fuß oder mit dem Auto, wird immer mal wieder die wegfliegende Tüte erwähnt. 🙁


