Während der Schwangerschaft haben der Ehemann und ich überlegt, wie wir denn die Sache mit unserem Kind angehen werden. Die Sache – Erziehung, Umgang, Verhalten – ist nämlich heute gar nicht so einfach. Denn wir sind noch von der Generation, die als Baby im Krankenhaus nach der Geburt schnell von der Mutter getrennt, kaum oder gar nicht gestillt wurden und teilweise als Baby schreien gelassen wurden. Naja, und so einiges anderes, bei dem ich heute den Kopf schütteln muss. Aber das ist eine andere Sache.
Die Erziehungsmethoden der damaligen Zeit hatten natürlich Folgen für die Kinder und somit der heutigen Erwachsenen. Von einem Therapeuten weiss ich, dass der Großteil, der psychischen Probleme im Babyalter entstanden ist und Menschen, die von diesen Problemen geplagt werden, sitzen heute reihenweise bei ihm auf der „Couch“.
Wenn man sich heute als werdende Eltern umhört und informiert, geht es genau in die entgegengesetzte Richtung.
Gut so! Den Spagat zwischen eigener Erziehung der 70er Jahre und den modernen Methoden muss man aber erst einmal hinbekommen. Die angelernten Programme müssen gelöscht und Neue geschrieben werden. Eine Herausforderung für unsere Generation.
So haben der Ehemann und ich entschieden, dass wir Vieles ganz anders machen werden, als wir es erfahren haben:
- Das Kind wird in einem Babyfreundlichen Krankenhaus geboren, in dem das Stillen erste Priorität ist; das Baby nach der Geburt, noch vor dem Wiegen und Messen mindestens eine Stunde auf dem Bauch der Mama liegt; indem eine PDA wenig bis gar nicht eingesetzt wird, stattdessen mit Homoöpthie und anderen alternativen Methoden gearbeitet wird; die Eltern mit ihrem Neugeborenen die ersten Tage in einem Familienzimmer gemeinsam verbringen kann.
- Alle Geburtsvorbereitungskurse werden von uns gemeinsam besucht.
- Unser Baby wird mit uns gemeinsam im Schlafzimmer schlafen, solange es selber entscheidet, dies nicht mehr zu wollen.
- Unser Baby wird gestillt und zwar nach Bedarf und solange es möchte;
- Ein „Verwöhnen“ eines Säuglings gibt es nicht!! Babys haben, solange sie nicht sprechen können, Bedürfnisse.
- Unser Kind wird getragen (mit Tragetuch, Rucksack und Co.), immer am Mann oder an der Frau;
- Unser Kind braucht nicht schreien. Jedes Schreien ist ein Bedürfnis, welches gestillt werde möchte. Schreien sichert für das Baby Überleben und ist nicht zum Ärgern der Eltern gedacht!
Das waren die groben Eckdaten unseres „Plans“.
Erst viele Wochen nach der Geburt habe ich ein Buch über den Schlaf von Kindern gelesen, geschrieben von William Sears „Schlafen und Wachen“. Hier geht es in den ersten Kapitel um den Erziehungsstil „Attachment Parenting“, welches aus folgenden Bausteinen besteht:
- Friedvolle Schwangerschaft und Geburt;
- Sich vorbereiten;
- Stillen nach Bedarf;
- Aufs`s Weinen reagieren;
- Familienbett;
- Als Einheit leben;
Erstaunlich, dass wir mit unseren vorgeburtlichen Gedanken und unserem Vorhaben, genau den Kern des Attachment Parentings getroffen haben.
Und wir sind richtig gut und können bis heute an jedem dieser Punkte einen Haken machen. Darauf sind wir stolz, da wir den Spagat angegangen sind. Ich sage extra „angegegangen“, da wir sicherlich noch einen weiten Weg vor uns haben. Wir sind aber guten Mutes und werden unser Vorhaben, einer einfühlsamen Erziehung, weiter ausbauen und verfolgen.
In der Hoffnung, dass der Baron davon, in jeglicher Hinsicht, profitiert!


