Kinderkrankenhaus-Tagebuch I

Tag 1 –  Dramatische Langeweile

Nachdem wir die erste Nacht (ohne Schlaf) im Krankenhaus verbracht hatten, wurden wir pünktlich eine Stunde vor der Vistite geweckt. Nicht, dass wir den Schlaf gebraucht hätten, aber so ein Krankenhaus hat seine eigenen Regeln. Dabei erinnert es mich immer an eine Szene aus dem Film „Werner“. So lustig dieser auch ist, die Krankenhausszene, in der die Hauptfigur schlafen möchte aber immer wieder geweckt wird, ist harte Realität und teilweise nicht auszuhalten.

Der Baron hatte die Nacht relativ gut geschlafen. Er bekam alle 4 Stunden Schmerzmittel und regelmäßig wurde der Verband befeuchtet.

Um halb 8Uhr trat die Viste ins Zimmer, ca. 6-8 Ärzte und Schwestern. Bestimmt war auch die Reinigungskraft und der Hausmeister dabei. 😉

Uns wurde berichtet, dass sie Hautareale gut aussehen, bis auf einen Fleck, der recht kritisch ist. Allgemein geht die Tendenz aber zur guten Besserung. Der Verband solle noch 1 Tag feucht gehalten werden und dann zu einem trockenen gewechselt werden.

Bedeutet, dass wir mindestens noch eine Nacht bleiben mussten. Was es aber noch bedeutet, erklärten uns im Nachhinein die Schwester: Mit dem feuchten Verband darf der Baron gar nichts machen. Klar war, dass er die betroffenen Stellen nicht belasten darf. Also weder Krabbeln noch stehen darf, aber er durfte das Zimmer auch nicht verlassen. Zu hohe Ansteckungsgefahr durch den feuchten Verband. Wir bekamen sozusagen Stubenarrest.

Hinzu kam, dass der Ehemann sich nach der Viste verabschiedete, da zu Hause ein langgeplantes, großes und kostspieliges Projekt am Haus wartete. Das konnten und wollten wir nicht verschieben.

Nicht krabbeln, nicht stehen, nicht raus… NICHTS! Erklärt das mal einen kleinen Krabbler, der sich schon wieder fit genug dafür fühlt, es aber nicht verstehen kann, was dort passiert.

Es war der längste, schlimmste und nervenaufreibendste Tag, den wir je erlebt haben. Nach ca. 2 Stunden hatten wir alle Spielzeuge aus dem Spielezimmer des Krankenhause bei uns im Zimmer und durchgespielt. Die Mitgebrachten Bücher durchgeschaut und sonst alles schon 2-3 Mal gemacht. Der Baron wollte nun krabbeln und das Zimmer unsicher machen. Aber das ging nicht.

Ganz großer Frust kam auf! Geschrei, Gemaule, Gejaule. Aber nicht wegen Schmerzen, sondern wegen der eingeschränkten Bewegung. Immer wieder musste ich ihn auf meinen Schoß setzen, immer wieder von seinen Füßen holen. DAS war eine richtige Herausforderung.

Bis um 15Uhr verweilte ich mit dem Kleinen allein im Zimmer bis mich eine Schwester darauf ansprach, dass ich ja noch nichts gegessen hätte und das doch tun sollte. Eine Praktikantin würde solange auf den Kleinen aufpassen. Sicher hatte sie Recht. Aber den Baron jetzt allein lassen? Es wird eine gute Abwechslung für ihn sein und ich komme wieder zu Kräften. Die Praktikantin nahm den Kleinen in den Schoß und fing an ein Buch mit ihm zu lesen. Beim Rausgehen sah ich kurz ein verzweifeltes Gesicht des Barons. Ich schluckte und schloss die Tür hinter mir! 🙁

Nach 8 Minuten war ich wieder da. Einen weinenden und verzweifelten Baron nahm ich wieder in Empfang. Nur ein Flugzeug konnte ihn kurz von seinen Tränen abhalten. Ich nahm ihn sofort wieder in den Arm und ließ ihn auch nicht wieder los. Wir teilten uns mein Mittagessen und versuchten die Zeit herumzubekommen. Nicht einfach, aber notwendig.

Als der Ehemann ganz Spätabends ins Zimmer eintrat, fiel mir ein Stein vom Herzen. Es war eines der schlimmsten Tage, sicher auch für den Baron.

Ab jetzt sollte es besser werden!

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