Kinderkrankenhaus-Tagebuch III

Heute war eines der schlimmsten und doch besten Tage seit dem Unfall. Früh mussten wir hoch um pünktlich in der Klinik für einen weiteren Verbandswechsel zu erscheinen. Bei Eintritt in die Krankenhaushallen merkte ich, wie der Baron ruhig wurde. Verständlich, gute Erinnerungen sind etwas anderes.

Wir wurden in ein Zimmer geführt und der Kleine bekam schon sehr schnell seine Narkose. Während unser Kleiner wegdämmerte und wir ihn ein bisschen dabei unterhielten, kam ein Arzt herein, den wir bisher immer nur als Beiwerk beim Verbandwechsel gesehen hatten.
Dieser sprach Klartext zu uns. Wenn sich die eine Wunde nicht merklich gebessert hat, muss operiert werden. Ich schluckte das erste Mal. Und operiert heisst in diesem Sinn, es muss Haut transplantiert werde… Kopfhaut. Ich konnte mich gar nicht gut genug festhalten, als ich das hörte.
Das ist genau das, was ich nicht wollte und auch dachte, dass wir soweit gar nicht gehen müssten. Der Arzt sagte aber, dass er die Wunde in der letzten Woche schon sehr kritisch fand und die Information nicht mehr zurückhalten wollte. Wir sollten uns langsam aufs Schlimmste einstellen.

Da heisst es häufig, als Mama muss man stark sein. Das fiel mir in dem Moment mehr als schwer und ich liess meinen Sohn nur unter Tränen im OP Saal zurück, in der Hoffnung, dass der Wunde einen grossen Regnerationsschub widerfahren ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich habe auf der Station einen Jungen gesehen, der sich ebenso wie der Baron, an den Füssen verbrüht hat. Nur viel schlimmer. Bei dem musste Kopfhaut transplantiert werden, und das sah nicht nett aus und war es auch nicht. DAS WILL ICH NICHT FÜR MEINEN SOHN!

Ungeduldig warteten der Ehemann und ich vor dem OP-Saal, sie wollten uns wieder dazuholen, wenn alles zu sehen ist. Die Tür ging einfach nicht auf. Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Wir wurden endlich reingerufen und der Arzt sagte uns entspannt, dass sich die Wunde sehr gut regeneriert hat und dass auch er erstaunt ist. Die Haut bekommt noch einmal 3 Tage Zeit weiter zu heilen. Dann ist Tag 11 und wir wissen, ob die Haut sich komplett regenerieren kann.
3 Tage Aufschub!

Der Baron erwachte fasst routiniert aus seiner Narkose, durfte etwas trinken und wurde schon nach 2 Stunden entlassen. Nach dem Mittagsschlaf war er der Alte.

Was nun in unseren Köpfen vorgeht, können sicherlich nur Eltern verstehen und ist hier kaum zu beschreiben.
Von Selbstzweifel bis Angst in mehrfacher Hinsicht ist alles dabei.

Wir können nur warten und darauf hoffen, dass der Baron so einen starken Körper hat und sich bis Donnerstag den letzten Schub gibt.

Drückt uns die Daumen!

Ps: Des Barons Lieblingslied ist derzeit „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ von dem Bär Balu aus dem Dschungelbuch. Wahrscheinlich ist das die Message an uns in dieser Zeit. Ich denke, der Kleine weiss mehr als wir!

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4 Antworten zu Kinderkrankenhaus-Tagebuch III

  1. MelL sagt:

    Lieber Baron & Eltern!

    Wir drücken Euch so fest die Daumen, wie es uns nur möglich ist und wünschen Euch alles Glück der Erde!!!!!!!!!! Der kleine Baron ist bis hierer so tapfer gewesen und wird es auch weiterhin sein und es ohne OP schaffen!!!

    Das schöne Wochenende mit den Eltern im trauten Heim hat schon für diesen RIESIGEN Heilungsschub gesorgt – denn zu Hause ist es einfach am Schönsten!!!

    Wir drücken Euch ganz fest und denken an Euch!!!

    PJ & seine Eltern

    • Anonym sagt:

      Ganz lieben und herzlichen Dank. Wie ihr gelesen habt, hat das daumendrücken geholfen. Schön, dass ihr in Gedanken dabeigewesen seid!
      LG zurück

  2. Diewermanns sagt:

    Lieber kleiner Baron und Eltern,
     
    wir drücken für Euch alle Daumen der Welt und wir glauben fest daran, dass alles auf natürlichem Wege heilen wird.
    Beim Lesen der letzten Beiträge standen mir die Tränen in den Augen. Was mussten das für höllische Qualen für den Kleinen gewesen  sein, ganz abgesehen von den seelischen Schmerzen der Eltern. Unvorstellbar!
    Am Ende wird alles gut werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir drücken den Kleinen, den wir ohnehin schon in unser Herz geschlossen haben und sind in Gedanken bei ihm.
    Ganz herzliche Grüße.

    E. Wermann (Mutti von Janine)

    • Anonym sagt:

      Ich bin sehr begeistert, dass Sie unseren Blog lesen und so emotional dabei sind. Ihre Gedanken an uns haben uns sehr geholfen. Die Kraft und notwendige Energie kam rüber und dem Baron geht es jetzt schon bestens. Wir freuen uns, Sie bald bei Nele wiederzusehen.
      Ganz liebe grüsse
      Die Baron Mama 🙂

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