Durchschlafen – oder was?

Durchschlafen – das hört sich gut an. Und es gab schon einige, die mich dazu beglückwünschten. Vielen Dank dafür! Leider ist das gar nicht so einfach, denn: schon im letzten Trimester der Schwangerschaft, hat mein Körper gegen 3/4 Uhr nachts mal einen Break in Sachen Schlaf eingelegt.
Der Baron kam und die Breaks wurden größer und häufiger.

Das Resümee: auch wenn ich jetzt die Möglichkeit habe durchzuschlafen – es geht nicht! Zur Zeit weckt mich mein Körper noch Punkt 4uhr und dann bin ich hellwach. Wahrend der Baron und der Ehemann ratzenderweise tief und fest schlafen, könnte ich das Haus sauber machen. 🙂

1,5 Jahre nachts Wachsein hinterlässt eben seine Spuren. Die Schichtarbeiter unter euch wissen wovon ich spreche.

Aber ich arbeite dran! 🙂

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Mitgehört und verstanden

Während unseres Aufenthalts im Krankenhaus habe ich noch einmal einen großen Teil des Frischgezapften verloren. Stress, Schlafmangel und das unregelmäßige Abpumpen waren sicher die ausschlaggebenden Gründe.

Ja, der Baron bekommt immer noch Muttermich. Er ist zwischenzeitlich 14 Monate alt, hat 8 Zähne und ißt voll und ganz am Tisch mit. Aber gerade nachts lässt der Kleine nichts anderes zu als das gute Frischgezapfte. Schon vor dem Krankenhausaufenthalt mussten wir teilweise zu Alternativen greifen, weil ich die Menge an Milch, die er nachts fordert, schon lange nicht mehr liefern kann. Somit bekam er 1-2 Flaschen von dieser neuartigen „Kindermilch“. Ich halte nicht viel davon, aber es war die einzige Milch, die er mag und nachts getrunken hat.

Als wir aus dem Krankenhaus wiederkamen überdachte ich unser Flüssigkeitskonzept für den Baron. Er trank nicht nur nachts eine ganze Menge Milch, sondern auch tagsüber sehr viel Wasser. Sicher, er schwitz doll, wenn er tagsüber herumrackert und auch nachts ist er ständig schwitzig-nass. Trotzdem: meine Schätzung der Flüssigkeitszufuhr betrug ca. 2l. ZWEI LITER für den 12kg schweren Baron. Umgerechnet müsste ich 10 Liter täglich trinken!!! Auch wenn ich Sportler wäre, würde ich nicht soviel Flüssigkeit benötigen. Kann das ein Körper überhaupt verarbeiten? Kann das wirklich gut sein, für so einen kleinen Mann?

Die Wasserzufuhr ok, aber wieso die Milchschlacht des nächtens??

Wir waren kurz darauf bei unseren Kinderarzt. Neben der Schulmedizin ist er Homöopath und sonst auch sehr einfühlsam in Sachen Eltern-Kind-Beziehung. Bei ihm bekommt man nicht nur medizinischen, sondern auch erziehungstechnischen Rat. Und so sprach ich das Thema Flüssigkeitzufuhr an.

2 Liter sind definitiv zuviel!

Als er hörte, dass der Baron noch seinen lockeren Liter Milch nachts bekommt musste er uns Beiseite nehmen und einen Erziehungsrat geben. Denn nachts braucht ein kleiner Baron von 14 Monaten nichts anderes mehr als Wasser, und das auch nur, wenn es sehr warm ist. Ansonsten würde der Kleine nachts schon lange ohne Milch auskommen.

Der Ehemann und ich schluckten, denn wir wussten, was nun auf uns zukam. Den Baron davon zu überzeugen, nachts keine Milch mehr zu brauchen, geschieht ja nicht in einem Gespräch mit ihm. Es werden extrem unruhige Nächte mit Schreien, Weinen und Brüllen auf uns zukommen. Da müssen wir wohl durch!

Wir nahmen uns die Milchabstinenz gleich für die Nacht vor und stellten nur eine Flasche Wasser bereit.

Resumé: Der Baron war zwar unruhig, hat aber, anders als wir annahmen, kein großes Drama draus gemacht. Die erste Nacht lehnte er das Wasser komplett ab, meckerte ein wenig, schlief aber schnell weiter. Die darauffolgenden Nächte trank er bei Durst immer mehr von dem Wasser.

Erstaunlich, fasst schon unheimlich war, dass er nun auch tagsüber viel weniger Wasser trinkt. Er lehnt sehr häufig einfach das Wasserangebot ab (gab es damals fasst nie). Und das genau ein Tag nachdem wir das Gespräch mit dem Kinderarzt hatten und er uns sagte, dass die Menge von 1 Liter ausreichen würde. Und das trinkt er nun auch.

Der Ehemann und ich sind der Meinung, dass der Baron sehr wohl das Gespräch verstanden hat und daraufhin selbst reagiert hat.

Die Kleinen bekommen doch mehr mit, als wir glauben.

Das Frischgezapfte bekommt der Baron nun morgens beim Aufwachen und abends zum Schlafengehen. Beides wunderbare Rituale, auf die er schon wartet und sich freut.

Auch die Mama freut sich sehr, denn für mich heisst es, das erste Mal seit 14 Monaten: DURCHSCHLAFEN!! 😀

 

 

 

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Tragende Rolle

Während der Baron auf der gestrigen Hochzeitsfeier wieder mit seinem Fulda-Racing-Car glänzte, habe ich mir die Hochzeitsgesellschaft mal genauer angeschaut.

Mir fiel auf, dass erstaunlich viele Eltern mit ihren frisch-geworfenen Kindern dabei waren. Die Babies, zum Größtenteil noch unter 3 Monaten, wurden ruhig und zufrieden, meist von Papa, mit dem Babyrucksack durch die Hochzeitsfeier getragen. Während die Babies selig dabei schliefen, schauten sich Papa und Mama das lustige Treiben der Hochzeitsgäste an, stellten sich an das Buffet an, aßen in Ruhe, gingen Spazieren.

War das schon immer so?

Gerade hatte ich noch die Worte einer Freundin im Kopf, die ihre Hochzeit plante und sehr genervt darauf reagiert, dass wir auch vorhaben, den kleinen Baron mitzubringrn. Sie wolle ja feiern bis in die Puppen und wenn alle ihre Kinder mitbringen würden, dann wäre das ganze Fest schon um 23Uhr zu Ende. Die Freundin hat übringens noch keine Kinder.

Die gestrige Hochzeitsfeier war für mich ein echter Gewinn, weil es mir gezeigt hat, dass sehr wohl auch Kinder zu solchen Feiern dazugehören. Die Erwachsenen unterhalten sich, essen und tanzen und die Kinder toben dazwischen herum. Das Brautpaar freut sich, dass alle gekommen sind (und keiner wegen des Babies zu Hause bleiben musste), auch wenn der Großteil der Gäste gegen 23Uhr das Fest verlässt.

Da lobe ich mir auch die Festlichkeiten in Skandinavien, wie z.B. das Midsommerfest. Hier wird die ganze Familie eingeladen, jeder feiert mit, jeder darf dabei sein.

Manchmal haben wir hier in Deutschland wirklich noch ganz viel in Sachen Kinder zu arbeiten. Das gestrige Hochzeitsfest war dafür ein Paradebeispiel, wie wir es besser machen können.

 

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Zwei vorbei

Der Baron kletterte heute nach dem Aufwachen direkt aus Bett, krabbelte in Windeseile in das Badezimmer und zeigte… ja, wohin eigentlich? Auf das iPad, was dort lag oder auf den leeren Platz, auf dem er und der Ehemann die letzten 2 Monate um diese Zeit saßen?

Ja, die 2 Vätermonate sind nun vorbei und der Ehemann ist frühmorgens wieder aus dem Haus und kommt erst spät wieder. Derweil versüße ich nun dem kleinen Baron die Zeit am Tag.

Nachdem der Ehemann die letzten Tage noch im Garten gerissen hat, haben wir den letzten Tag gemeinsam gestern mit einer kleinen Grillrunde abgeschlossen.

Wir hatten eine schöne Zeit, allerdings auch anstrengend… für mich. Denn irgendwie war es doch so, als wenn ich hier zwei kleine Kinder hatte, auf die beide ein Auge geworfen werden musste. 😉

Der Ehemann sagte, dass er das nächste Jahr wieder machen möchte, 8 Wochen zu Hause mit der Familie. Ich hoffe, ihm ist bewusst, was das dann genau heisst! 🙂

 

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Kleider machen Leute

Neben den negativen Ereignissen in den letzten zwei Wochen gab es zwischendurch auch immer wieder Aufheiterungen und Lustiges. Sei es die lieben Krankenschwestern, die häufig ein nettes Wort parat hatten oder die Wünsche und Gedanken unserer Freunde in einer schweren Situation.

Bei dem letzten Verbandswechsel vor ein paar Tagen allerdings, gab es eine Situation, über die ich den ganzen Tag nicht hinweg kam.

Wir wurden vom Arzt während des Verbandwechsels hereingeholt und durften die gute Nachricht entgegennehmen.

Nachdem wir alle Informationen bekommen hatten, öffnete der Arzt die Tür und wollte gerade hinaus gehen. Dabei wendete ich mich meinem Sohn zu und freute mich, dass er sich von der Schwester mit einem Kuscheltier bespaßen liess. Hörte aber, dass rechts von mir (dort standen der Arzt und der Ehemann) Worte wie „Segeln“, Hansesail in Rostock“, „schlechtes Wetter“ und „Chefarzt – Geschenk zum 50sten Geburtstag“ fielen. Der Arzt konnte sich kaum vom Ehemann lösen und holte immer wieder aus.

Worüber unterhielten die sich???

Im Nachhinein wurde ich vom Ehemann aufgeklärt. Auf dem tagesaktuellen Poloshirt des Ehemanns stand „Volvo Ocean Race“. Die Segler unter euch wissen was damit gemeint ist. Wir übrigens nicht. Es scheint eines der wichtigsten Segelwettbewerbe zu sein (man möge mich korrigieren). Hier nehmen nur die oberen 100 dran teil.

Der Arzt sah die Aufschrift und fragte den Ehemann gleich, ob er dran teilgenommen hätte. Da war der Ehemann fuchs und sagte „Nein, leider nicht!“, was dann zu der besagten Unterhaltung führte. Es war ein „Nein leider nicht, mein Boot war nicht startklar.“ Oder „Nein, leider nicht, ich war diesmal nur Geldgeber!“ 🙂 Daraufhin stieg der Arzt dann komplett ein und erzählte Insidertips der Segelcommunity, die nächsten Segelwettbewerbe, an denen man teilnehmen sollte und dass das letzte Geschenk der Krankenhausbelegschaft an den Chefarzt ein Segeltörn war. Am liebsten hätte er sich den Ehemann geschnappt um auf einen Kaffee weiter übers Segeln zu plauschen. Aber da war ja noch was: die nächste OP. Wie blöd.

Er verabschiedete sich von uns und wünschte uns viel Spass auf der Hansesail, die ja dann am Wochenende stattfindet.

Ohne es zu wissen, hat der Ehemann hier mal voll das Pacing gestartet. Nächstes Mal wird er einen weissen Kittel anziehen und das Skalpell selber in die Hand nehmen. 😉

„Schwester Tupfer, bitte!“

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Erste Hilfe: Verbrennungen

Der Ehemann und ich haben aus dem Unfal mit dem Baron gelernt und das möchte ich weitergeben. In einer Situation, so wie wir sie erlebt haben, ist es mehr als wichtig, Ruhe zu bewahren.

Dann:

  • Die verletzten Stellen mind. 10-15 Minuten mit laufendem Wasser kühlen, welches nie kälter als 15°C sein sollte (also kein kaltes Wasser dazu nutzen);
  • Homoöphatisch ist Cantharis das Mittel der Wahl, zur Wundheilung nach der Akutphase hilft Calendula;
  • Verbrennungen sind kein Spass und gerade bei unseren Kleinen sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden oder gar ein Notarzt geholt werden;
  • Ich bin kein Arzt, aber für solche Situationen ist es immer gut, Schmerzmittel für Kinder im Haus zu haben, bei der Auswahl hilft der entsprechende Kinderarzt sicher im Vorwege weiter;

Vom Krankenhaus haben wir die Organisation Paulinchen empfohlen bekommen. Diese berät und vernetzt Familien mit brandverletzten Kindern in jeder Phase nach dem Unfall. Ausserdem bietet Paulinchen ein großes Kompetenznetzwerk für alle Fragen rund um thermische Verletzungen, veranstaltet Paulinchen-Seminare, vertritt die Interessen der brandverletzten Kinder und warnt mit Präventionskampagnen.

 

Ich denk, nach all den Aktionen in der letzten Woche, werde ich ein Medizinstudium in Betracht ziehen. *grübel*

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Aktionswochen: Krankenhaus

Nachdem wir den Baron aus den Hallen des Krankenhauses herausbekommen haben, durfte ich heute wieder Krankenhausluft schnuppern.

Gestern ganz spät abends, bekam ich die Information von Kommilitonen meines Bruders übers soziale Netzwerk (gut, dass es so eines gibt), dass mein Bruder akut ins Krankenhaus eingeliefert wurde und noch am gleichen Tag operiert wurde.

Mit Büchern und Nintendo machte ich mich dann heute auf den Weg ins Uni-Klinikum. Dem Baron wollte ich einen erneuten Besuch im Krankenhaus ersparen und liess meine Männer zu Hause. Zum Glück geht es meinem Bruder wieder besser, auch wenn er nun einige Tage dort verweilen muss, welches gerade übers Wochenende dramatisch langweilig sein kann.

Jetzt reicht es allerdings auch mit Krankenhausaufenthalten und schlechten Nachrichten von Ärzten.

Ich freue mich, dass es wieder bergauf geht. Sowieso bin ich ein Mensch, der nach jeder negativen Erfahrung, nach jedem Schlag ins Gesicht wieder aufsteht und weiss, dass es weitergeht. Nach einer Rezession kommt ein Boom, nach stressigen Phasen kommt immer ein Hochpass. Man muss nur früh genug den Kopf aus dem Sand heben, sonst verpasst man nämlich das „Bergauf“ und landet wieder ganz unten und fragt sich, wo das Schöne am Leben geblieben ist.

Hakuna Matata!!!

 

By the way: Nicht nur, dass meine lieben Familienangehörigen kranken, nein auch mein Laptop darf sich seit letzter Woche zu den „Kranken“ zählen. Dieser wehr sich ganz schlicht von mir bedient zu werden. Zum Mäuse melken…

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Hakuna Matata

Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen!

Mit dem heutigen Besuch in der Klinik bekamen wir endlich die Information, dass keine Transplantation gemacht werden muss. Die kritsiche Hautstelle ist zu zwei kleinen Stellen „mutiert“ und diese sind zu klein, um sie zu operieren. Der Arzt hielt sich aber frei, dass ggf die entstehende Narbe irgendwann mal verkleinert werden müsste. So eine Op ist allerdings nicht zu vergleichen mit einer Transplantation.

Unsere Auflagen nun: 6x pro Tag eincremen, regelmäßig zu den Kinderverbrennungssprechstunden der Klinik zu kommen, die Beine mindesten 2 Jahre lang vor der Sonne zu schützen und den Baron nun eine zeitlang nicht draussen spielen zu lassen (was im Moment nicht mal dramatisch ist,  bei dem Wetter) und im Haus auch die Socken anlassen. Wenns weiter nichts ist!

Uns ist nicht nur ein Stein vom Herzen gefallen, sondern ein ganzer Felsbrocken.

Der Baron hat die heutige Narkose richtig gut gemeistert, war im OP-Saal gut drauf und hat sich von einem Hasen bespassen lassen. Wir hörten ihn glucksen und kichern. :)Innerhalb einer halben Stunde war er wieder wach und wollte nach Hause. Das durften wir auch, ohne Verbände, ohne Angst.

Nun erholen wir uns ersteinmal von dem Schrecken, den Krankenhausaufenthalten und den teilweisen dramatischen Nachrichten. Der Ehemann hat nun noch eine Woche Elternzeit und ich hoffe, dass wir diese Zeit noch für die Familie nutzen werden.

Als Eltern müssen wir uns nun darauf einstellen, dass jederzeit etwas passieren kann, wir erste Hilfe leisten müssen, den Arzt anrufen und/oder ins Krankenhaus fahren müssen. Dabei hilft es dem Kind immer, wenn man die Ruhe bewahrt, souverän handelt und viel Trost spendet.

„Hakuna Matata –

Es heißt,die Sorgen bleiben dir immer fern…“

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Kinderkrankenhaus-Tagebuch III

Heute war eines der schlimmsten und doch besten Tage seit dem Unfall. Früh mussten wir hoch um pünktlich in der Klinik für einen weiteren Verbandswechsel zu erscheinen. Bei Eintritt in die Krankenhaushallen merkte ich, wie der Baron ruhig wurde. Verständlich, gute Erinnerungen sind etwas anderes.

Wir wurden in ein Zimmer geführt und der Kleine bekam schon sehr schnell seine Narkose. Während unser Kleiner wegdämmerte und wir ihn ein bisschen dabei unterhielten, kam ein Arzt herein, den wir bisher immer nur als Beiwerk beim Verbandwechsel gesehen hatten.
Dieser sprach Klartext zu uns. Wenn sich die eine Wunde nicht merklich gebessert hat, muss operiert werden. Ich schluckte das erste Mal. Und operiert heisst in diesem Sinn, es muss Haut transplantiert werde… Kopfhaut. Ich konnte mich gar nicht gut genug festhalten, als ich das hörte.
Das ist genau das, was ich nicht wollte und auch dachte, dass wir soweit gar nicht gehen müssten. Der Arzt sagte aber, dass er die Wunde in der letzten Woche schon sehr kritisch fand und die Information nicht mehr zurückhalten wollte. Wir sollten uns langsam aufs Schlimmste einstellen.

Da heisst es häufig, als Mama muss man stark sein. Das fiel mir in dem Moment mehr als schwer und ich liess meinen Sohn nur unter Tränen im OP Saal zurück, in der Hoffnung, dass der Wunde einen grossen Regnerationsschub widerfahren ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich habe auf der Station einen Jungen gesehen, der sich ebenso wie der Baron, an den Füssen verbrüht hat. Nur viel schlimmer. Bei dem musste Kopfhaut transplantiert werden, und das sah nicht nett aus und war es auch nicht. DAS WILL ICH NICHT FÜR MEINEN SOHN!

Ungeduldig warteten der Ehemann und ich vor dem OP-Saal, sie wollten uns wieder dazuholen, wenn alles zu sehen ist. Die Tür ging einfach nicht auf. Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Wir wurden endlich reingerufen und der Arzt sagte uns entspannt, dass sich die Wunde sehr gut regeneriert hat und dass auch er erstaunt ist. Die Haut bekommt noch einmal 3 Tage Zeit weiter zu heilen. Dann ist Tag 11 und wir wissen, ob die Haut sich komplett regenerieren kann.
3 Tage Aufschub!

Der Baron erwachte fasst routiniert aus seiner Narkose, durfte etwas trinken und wurde schon nach 2 Stunden entlassen. Nach dem Mittagsschlaf war er der Alte.

Was nun in unseren Köpfen vorgeht, können sicherlich nur Eltern verstehen und ist hier kaum zu beschreiben.
Von Selbstzweifel bis Angst in mehrfacher Hinsicht ist alles dabei.

Wir können nur warten und darauf hoffen, dass der Baron so einen starken Körper hat und sich bis Donnerstag den letzten Schub gibt.

Drückt uns die Daumen!

Ps: Des Barons Lieblingslied ist derzeit „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ von dem Bär Balu aus dem Dschungelbuch. Wahrscheinlich ist das die Message an uns in dieser Zeit. Ich denke, der Kleine weiss mehr als wir!

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Kinderkrankenhaus-Tagebuch II

Tag 2 –  Netzwerke knüpfen

Die zweite Nacht war nicht wirklich besser, was unseren Schlaf angeht. Der Baron hatte zum Glück wie ein Stein geschlafen. Wir eher sporadisch. Der Kleine musste wieder nüchtern sein, da an diesem Tage auf jeden Fall der trockene Verband drankam. Dazu wurde er wieder in eine seichte Narkose gelegt. Ich könnte jedes Mal heulen, wenn ich meinen Sohn halbschlafend den Schwestern übergeben muss und er dann mit lauter grünen Männchen allein im OP-Saal liegt, die an seinen Füßen arbeiten.

Bis zum OP-Saal durften wir mit, während des Wechsels aber draussen warten. Uns führte man in ein kleines Wartezimmer, wo wir etwas zu trinken bekamen. Ruhiger waren wir dennoch nicht. Ich erinnerte mich an die Situation vom Vortag, als der Baron 8 Minuten bei der Praktikatin verweilte und nun sind 4-5 Fremde um ihn herum. Man versicherte uns aber schon im Vorwege, dass der Kleine zwar wach sei, aber von der eigentlichen Aktion im OP-Saal keine Erinnerungen hat.

Während des Verbandwechsels wurden wir kurz dazugeholt um die Hautareale selber einmal zu sehen. So ganz konnte ich mich nicht auf das konzentrieren, was die Chirugin uns sagte, denn ich sah wieder ein verzweifelten Baron liegen, der zwar lieb von einer Schwester umsorgt wurde, er aber lieber Mama oder Papa dabei gehabt hätte. Wieder schluckte ich, wieder schloss ich die Tür.

Schnell waren die Ärzte fertig und wir konnten den Kleinen in Empfang nehmen, knuddeln und mit ihm reden.

Nachdem der Baron aus der Narkose langsam wieder aufwachte, bekam er endlich etwas zu essen. Das Krankenhausessen mochte er und langte ordentlich zu. Danach wurde der Rausch ausgeschlafen und zum Nachmittag war er ganz der Alte.
Da wir nun noch eine zweitägige Verlängerung auf Station bekamen, fuhr ich wieder nach Hause und packte den Koffer voll, kaufte eine Luftmatratze und 5kg Schoki als Nervennahrung. Vollbeladen kam ich zurück ins Zimmer.

Kein Ehemann und kein Baron zu sehen. Wo sind die hin?

Im Spielzimmer der Station habe ich sie dann gefunden. Legosteine um den Baron grosszügig verteilt, Bücher aus den Regalen herausgenommen und mit Freude den anderen Kindern beim Spielen zugeschaut. Der Ehemann hatte schon Kontakte zu anderen Eltern geknüpft und alles war irgendwie entspannter.

Der Stubenarrest war vorbei!

Tag 3 –  Das Spieleparadies

Der dritte Tag war für uns schon fasst Routine. Der Schlaf wurde, dank Luftmatratze, besser und die Dramatik des Unfalls wurde ein wenig gelindert. Der Baron fitter denn je und wir frohen Mutes, bald das Krankenhaus zu verlassen.

Nach dem Frühstück wurden einzelne Kinder von der örtlichen Erzieherin befragt, wie es ihnen geht und ob sie denn schon raus dürften. In Abstimmung mit den zuständigen Schwestern könnten diese dann rüber ins Spielehaus. SPIELEHAUS????

Es gibt ein grosses Spielehaus, in dem Krankenhauskinder stundenweise betreut und beschäftigt werden. Hier kann gebastelt, gemalt, gespielt und musiziert werden! Ein Traum den ich auch dem Baron wünschte. Während die Erzieherin alle Kinder ausser unseren Baron befragt hatte, ging sie wieder und ich war etwas traurig, dass wir nicht durften. War dann aber der Meinung, dass der Baron noch zu klein für das Spielehaus war.

Der Ehemann sagte mir erst dann, dass die Erzieherin schon vor einiger Zeit mit ihm und der Schwester gesprochen hätten und unser Kleiner schon rüber ins Haus kann.
Was? Und wieso sind wir dann nicht schon drüben?

Los! Ins Spielhaus!

Dort angekommen sicherte der Ehemann einen kleinen Traktor und schob den Baron durch die Gegend. Mehr brauchte er nicht um glücklich zu sein. Wenn wir ihn im Haus zum Spielen hinsetzten, krabbelte er in Windeseile zurück auf die Terrasse und schob seinen Trecker. Der Tag ist gerettet.

Das Spielen wurde nur durch den Mittagsschlaf unterbrochen, danach ging es weiter. Die Zeit verging wie im Flüge und wir merkten gar nicht, dass wir in einem Krankenhaus waren.

Ausgeglichen und entspannt zelebrierten wir das Abendbrot im Esszimmer. Wie zu Hause.

Wieder musste der Baron diese Nacht nüchtern bleiben, wieder wurde er am nächsten Morgen in Narkose gelegt.

Mit hoffentlich gutem Ausgang.

Tag 4 –  Nach Hause?

Der Baron wurde pünktlich von der Schwester schläfrig gemacht. Diesmal ging es recht zügig. Der Baron wehrte sich kaum, ließ das Dämmern zu. Allerdings war er kurzfristig recht merkwürdig, gab verschluckte Laute von sich und seine Augen tränten. Es schien, er wollte was sagen, konnte aber nicht. Sofort holten wir die Schwester. Ich habe zuviel von Narkosen gehört, um das einfach laufen zu lassen.
Der Baron wurde auf die Seite gelegt und konnte wieder schlucken. Puh!

Der Verbandswechseln an sich ging schnell. Der Baron wurde von der Schwester mit dem mitgebrachten Auto bespasst und kam fasst quietschfidel aus dem op-Raum heraus. Uns wurde vom Arzt erläutert, dass sich nun ein Fuss komplett regeneriert hat und der andere zur Hälfte. Somit konnte ein grosser Teil des Verbandes entfernt werden. Immernoch ist eine kleine Stelle sehr kritisch.
Mit weiteren Informationen zur Versorgung der offengelegten Stellen, verliess uns der Arzt mit dem Gedanken einer eventuellen Beurlaubung übers Wochenende.

Bitte Bitte Bitte, wir wollen nach Hause!

Uns war etwas unwohl, als wir die offenen Stellen sahen und trauten uns kaum, den Baron krabbeln zu lassen. Zumal die Stellen auch regelmässig mit einer Fettcreme eingecremt werden sollten.
Anfänglich eine grosse Überwindung. Aber der Kleine hatte dabei keine Schmerzen, vielmehr störte es ihn, dass wir seinen Fuss festhielten.

Nach dem Mittagsschlaf wurde wieder kräftig dinniert und dann die Zeit im Spielehaus verbracht. Dieses machte allerdings frühzeitig schon zu und wir wollten nicht länger auf der Station bleiben sondern nach Hause. Immerhin war Wochenende und da ist der Tag in so einem Krankenhaus mindestens genauso schlimm, wie unser Stubenarrest.

Schon zwei kleine Mädchen wurden an dem Tag nach Hause geschickt und wir warteten gespannt auf Informationen vom Klinikpersonal.
Die bekamen wir, pünktlich zur Schließung des Spielehaus. WIR DÜRFEN NACH HAUSE ÜBERS WOCHENENDE!

Am Montag wird wieder der Verband gewechselt und somit muss der Baron wieder auf Station sein. Vorerst aber Urlaub mit Mama und Papa zu Hause! Freudestrahlend packten wir unsere Taschen und verliessen das Krankenhaus.

Bis Montag! Und toi toi toi, dass dann alles gut geht!

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